
Weltreise durch Schleswig-Holstein - Einmal um die ganze Welt
Eine Weltreise mit dem Motorrad. Davon träumen viele. Grönland, England, Kalifornien – Traumziele, aber ganz schön weit weg. Denkste! Wir waren flugs da.
Schleswig-HolsteinMotorradregion Schleswig-Holstein11 Strecken
Der Motorrad-Guide für Schleswig-Holstein: Touren an Nordsee und Schlei, Eiderstedt, Nord-Ostsee-Kanal, Wikingerland Haithabu, Sehenswürdigkeiten, Werkstätten und Anreise.
Schleswig-Holstein ist das nördlichste Land der Bundesrepublik und liegt als schmale Landbrücke zwischen zwei Meeren: im Westen die Nordsee, im Osten die Ostsee. Nach Norden grenzt es an Dänemark, nach Süden an Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Mit rund 15.800 Quadratkilometern ist es das zweitkleinste Flächenland — und das flachste. Der höchste Punkt, der Bungsberg in der Holsteinischen Schweiz, misst 167 Meter. Wer aus dem Mittelgebirge oder den Alpen kommt, stellt sein Fahren hier um: Es geht nicht um Serpentinen und Passhöhen, sondern um Weite, Licht und den ständigen Wechsel der Landschaften.

Das Revier gliedert sich von West nach Ost in drei Streifen. An der Nordseeküste liegt die Marsch — flaches, hinter Deichen entwässertes Schwemmland, durchzogen von schnurgeraden Straßen und Sielzügen. Dahinter zieht sich die Geest durch die Mitte, eiszeitlicher Sandboden mit Heide, Wald und Knicks, den landestypischen Wallhecken. Im Osten steigt das Land zum östlichen Hügelland an, dessen Kernstück die Holsteinische Schweiz mit ihren Endmoränen und Seen bildet. Drei Böden, drei völlig verschiedene Fahrerlebnisse auf engem Raum. Besonders die Landschaft Angeln im Norden gilt als grün und heckenreich, mit dichten Knicks entlang schmaler Landstraßen.
Die maritime Lage bestimmt das Fahrgefühl. Der Himmel steht weit über flachem Land, das Licht wechselt schnell, und der Wind gehört dazu — auf freien Deich- und Marschabschnitten kommt er als Seitenwind, den man einkalkuliert. Das Klima ist mild und ausgeglichen; extreme Hitze bleibt selten, und dank des Meereseinflusses zieht sich die Saison oft bis in den Oktober. Schauer ziehen zügig durch, zwanzig Minuten später steht die Sonne wieder über nassem Asphalt. Die Fahrsaison liegt zwischen April und Oktober; im Hochsommer bleibt es weit im Norden lange hell, und die Abende auf der Straße ziehen sich.
Für den Streckencharakter sorgen wenige, klar geführte Achsen. Die Autobahnen A7, A1, A23 und A21 sind Zubringer; der Reiz liegt auf den Bundes- und Nebenstraßen dazwischen, häufig als Alleen geführt und im Frühjahr zwischen leuchtenden Rapsfeldern. Die B5 begleitet die Nordseeküste durch Dithmarschen und Nordfriesland — Deichkilometer, Salzwiesen, weiter Himmel; über Nebenstraßen geht es hinaus auf die Halbinsel Eiderstedt. Die B76 verbindet auf 130 Kilometern Schleswig, Eckernförde, Kiel, Preetz, Plön, Eutin und Lübeck-Travemünde; ihr Abschnitt zwischen Preetz und Eutin führt durch die Plöner Seenplatte und ist einer der kurvigsten und welligsten, die das Land zu bieten hat. Im Norden erschließt die B199 die Landschaft Angeln zwischen Flensburg und Kappeln, südlich der Schlei liegt Schwansen. Nach Fehmarn führt die B207 über die Fehmarnsundbrücke — die Insel erreicht man seit 1963 ohne Fähre, direkt über die Straße. Der Verkehr bleibt außerhalb von Kiel, Lübeck und dem Hamburger Umland dünn, und die Bundesstraßen sind gut ausgebaut und gleichmäßig zu fahren.

Ein Merkmal, das es so nur hier gibt, ist der Nord-Ostsee-Kanal. Auf gut 98 Kilometern durchschneidet er das Land von Brunsbüttel an der Elbe bis Kiel-Holtenau an der Förde und ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Für Motorradfahrer ist er weniger Hindernis als Programmpunkt: Neben den Hochbrücken und zwei Tunneln bei Rendsburg queren dreizehn kostenlose Fahrzeugfähren den Kanal. Man rollt vom Sattel auf die Ponte, daneben schiebt sich ein Frachter durch — eine Pause, die es anderswo nicht gibt.
Die beiden Küsten geben zwei Grundstimmungen vor. Die Ostseeseite ist lieblicher: Steilufer, Buchten und tief eingeschnittene Förden — die Flensburger Förde an der dänischen Grenze, die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde —, dahinter die hügelige Holsteinische Schweiz mit Wald und dem Großen Plöner See, mit gut 2.800 Hektar der größte See des Landes. Die Nordseeseite ist rauer und flacher — Deiche, Priele, das Wattenmeer, das seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Davor liegen die nordfriesischen Inseln und die Halligen, flache Marscheilande, die bei Sturmflut regelmäßig überspült werden. Dazwischen liegt die Geest als ruhiges Verbindungsstück. An einem Tag lässt sich von der einen Küste zur anderen fahren; die Wege sind kurz, quer durchs Land sind es selten mehr als anderthalb Stunden.
Tief ins Land schiebt sich die Schlei, ein 42 Kilometer langer Meeresarm der Ostsee, der bis Schleswig reicht und Angeln von Schwansen trennt; an ihr liegen Kappeln und Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands. Solche Ziele machen das Fahren hier aus — Punkte, die man ansteuert und an denen man den Motor ausmacht, statt Höhenmeter-Sammeln.

Bei den Inseln lohnt vorab der Blick auf die Anreise, denn nicht jede ist mit dem Motorrad frei befahrbar. Fehmarn hängt fest am Straßennetz. Sylt dagegen hat keine Straßenverbindung: Die Insel erreicht man nur über den Autozug ab Niebüll oder per Fähre vom dänischen Rømø nach List — die eigene Maschine kommt also verladen mit. Helgoland, rund fünfzig Kilometer draußen in der Nordsee, ist autofrei und wird per Schiff ab Cuxhaven, Büsum oder Hamburg angelaufen; ein Motorrad bleibt am Festland. Über die dänische Grenze hinaus gelten feste Tempolimits und Abblendlicht-Pflicht auch am Tag — Regeln, die man besser vor der Grenze kennt.
Unterm Strich ist Schleswig-Holstein ein Gebiet für Fahrer, die nicht die Kurven zählen, sondern die Landschaft lesen. Zwei Meere, drei Böden, ein Kanal und ein einziger nennenswerter Berg: Daraus entsteht ein Revier, das seinen Reiz aus Weite, Wind und dem schnellen Szenenwechsel zieht, nicht aus Höhenprofilen.
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